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Friedensbrief von 600 russischen Kindern

Friedensbrief von russischen 600 SchülernDeggendorf. Einen Friedensbrief hat eine Gruppe von Schülern aus Moskau gestern an Deggendorfs stellvertretenden Bürgermeister Peter Volkmer überreicht. Über 600 Kinder aus Moskau haben diesen Brief unterzeichnet, in dem sie die Erwachsenen darum bitten, Frieden zu halten und den Kindern und Jugendlichen verschiedener Länder zu ermöglichen, sich kennenzulernen und anzufreunden.

 

 

Ein bisschen erinnern der Inhalt des Briefs und die Absicht dahinter an Erich Kästners „Konferenz der Tiere“. In dem Buch entführen Tiere auf der ganzen Welt die Kinder, um die Menschen zu zubringen, Frieden zuschließen. „Denkt an die Kinder“ lautet die eindringliche Botschaft der Tiere an die Menschen. Auch in dem Friedensbrief der Schüler aus Moskau stehen die Gedanken, die Wünsche und Träume von Kinder m Vordergrund. „Wir alle sind unterschiedlich, aber wir haben auch viel gemeinsam“, übersetze Julia Urlacher vom Verein Mostik dem auf russisch vorgetragenen Brief. „Liebe Erwachsene, wir Kinder aus Russland wenden uns an Sie“, heißt es in dem Brief, Ananstasia Yasnitskaja vortrug. „Wir sind noch nicht erwachsen, aber wir wissen schon, dass unsere vielseitige Welt sehr zerbrechlich ist. Hier leben viele Völker mit unterschiedlichen Geschichten und Traditionen. Für uns ist es sehr wichtig zu wissen, wie unsere Altersgenossen in anderen Ländern leben, wovon sie träumen. Wir möchte so sehr ihre Kultur verstehen und ihre Sprache lernen“, schreiben die Schüler in dem Brief. Diesem Ziel dient die Freundschaft zwischen der Schule Nr. 1100 – einer Moskauer Mittelschule – und der St. Martin-Schul in Deggendorf, die bereits seit einem Jahr besteht. Per Brief, Videokonferenz und Skype halten die Schüler Kontakt, mit dem Besuch jetzt soll die Freundschaft weiter vertieft werden. Dafür wurde in Moskau eigens „Die Gesellschaft das Glück“ geschaffen – mit dem Ziel, „Kindern und ihren Eltern aus den verschiedensten Ländern der Welt dabei zu helfen, sich miteinander zu befreunden. ES ist auch wichtig, gegenseitig zu lernen.  wie man einander versteht, hört und zuhört“. Entstanden ist diese Schülerfreundschaft mehr oder weniger durch Zufall, erzählt Katharina Bakaev vom Vorstand des Mostik-Vereins. Lehrer Dimitry Melnikov von der Moskauer Schule hatte schon länger nach Partnern für eine deutsch-russische Schülerfreundschaft gesucht und war schließlich auf den Verein Mostik und die St. Martin-Schule gestoßen. Im Handwerksmuseum begrüßte Peter Volkmer gestern die Schülergruppe mit ihren Lehrern und stellte ihnen kurz die Stadt Deggendorf vor. Die russische Schülerin Anastasia Yasnitskaya trug den von Kindern verfassten und unterzeichneten Friedensbrief vor, die deutsche Übersetzung lieferte Julia Urlacher. Nicht nur für Peter Volkmer hatten die Schüler etwas mitgebracht, über die Geschenke durfte sich vor allem Marion Jürgens freuen: Der Leiterin der Stadtbibliothek überreichten die Jugendlichen Werke der russischen Literatur, von Märchenbüchern über Erzählungen und Puschkins Werken bis hin zu Goethes Faust auf russisch. „Jeder Jugendliche hat selber ein Buch ausgewählt, das er heute hier überreichen will2, erklärte Katharina Bakaev. Dann war’s mit dem offiziellen Teil für die Moskauer Besucher erstmal vorbei. Museumsleiterin Birgitta Petschenk-Sommer lud sie ein zu einem kleinen Vortrag über die Geschichte des Wachszieherhandwerks mit Museumspädagogin Rita Kurz ein, anschließend durften  sie selbst Kerzen ziehen. Bis kommenden Mittwoch sind die russischen Gäste noch in der Stadt, gestern Nachmittag gab’s eine gemeinsame Stadtführung mit ihren Freunden von der St. Martin-Schule und an den nächsten Tagen stehen Besuche an der Mittelschule und am St. Gotthard-Gymnasium Niederalteich auf dem Programm. Dort wird derzeit eine Fotoausstellung gezeigt, die eine andere Sichtweise auf Moskau erlaubt: Die Jugendlichen selbst haben sich Gedanken gemacht, wie sie ihre Heimat sehen. Dazu gehört auch ein von den Schülern selbst gedrehter Kurzfilm unter dem Titel „Neue Wörter über Russland“. „Russland ist nicht nur Kalaschnikow und Krim-Krise“, sagt Lehrer Dimitry Melnikow. Mit Ausflügen zum Tierpark Hellabrunn und in einen Kletterwald, nach Passau und Regensburg, ins elypso und zur Donaugartenschau sowie einem Besuch des Konzentrationslagers in Dachau sind die sechs Tage gut ausgefüllt.

Deggendorfer Zeitung, 01.05.2014

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